Der Einsatz verschiedener Gurte im Therapeutischen Reiten in Bezug auf ihre Verwendung bei Reitern mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen

Katja Lipp-Röben und Sibylle Wiemer stellen im Folgenden verschiedene Kombinationsmöglichkeiten Gurt und Pad vor.

       
Diese Darstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit oder Qualität, sondern basiert auf der Erfahrung: 15 Jahre Reitzentrum Wümmetal in Fintel.

Unser Modell ist der 16jährige Tinkerwallach Glenn, 150 cm, zurzeit (Jan 08) nicht optimal bemuskelt. Sein naturnaher Pflegezustand sei uns verziehen, es regnet in Strömen.

     
                  Es gibt eine Vielzahl an brauchbaren Gurten auf dem Markt.

Bei der Auswahl des gewünschten Gurtes müssen folgende Aspekte berücksichtigt werden:

 Beschaffenheit, Form, Länge, Bemuskelung und Breite des Pferderückens
 Körperliche Kompetenzen des Klienten
 Zielsetzung und Inhalte der Stunde sowie Nutzung des Gurtes während der folgenden Einheit.

Unter Umständen ist das Sitzen auf dem blanken Pferderücken sinnvoll, die im Folgenden gezeigten Gurte eignen sich dazu alle – mit Einschränkungen des großen Voltigiergurtes (s. u.). Aus Gründen der Veranschaulichung haben wir heute bei der Darstellung auf ein Pad verzichtet.
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Therapiegurt:

   Ein aus der Praxis entwickelter, von der Sattlerin Petra Jorge aus Ammerland/ Starnberger See ( Sattlerei Petra Jorge, Ammerländer Hauptstr. 6, 82541 Münsing

Tel.: 08171-76488,e-mail: sattlerei-jorge@t-online.de)

hergestellter spezieller Therapiegurt stellen wir als erstes vor.

Der Gurt wird auf Anfrage individuell auf alle Pferde- bzw. Ponygrößen angefertigt.
Der Gurt hat einen stufenlos verstellbaren festen Haltegriff und wird im Gegensatz zu allen anderen Gurten über eine Art Kummet auch um den Hals des Pferdes verschnallt.
Dieser abgebildete Gurt kostete 2006       1300 €      incl. Verlängerung der Brustriemen. 

     

               
                          

Durch diese Verlängerung können wir den Gurt sowohl auf einem großen Pony als auch auf kleinen Warmblütern und unseren Kaltblütern einsetzen.

Die Position des Haltegriffs ist mit Imbusschlüssel stufenlos verstellbar.


Die Vorteile dieses Gurtes sind vielschichtig, zum einem ist die Befestigung in der Gurtlage sehr dünn, so dass der Reiter auf dem Pferderücken weiter vorne als bei den anderen Gurten zum Sitzen kommt. Es stören keine Riemen, Polster oder Schnallen an den Beininnenseiten.
Den Gurt setzen wir hauptsächlich ein, weil die Pferde durch die bessere Sitzposition im Rücken weniger belastet sind und die Reiter guten Halt und eine stabile Haltung finden.
Laut der Herstellerin baut sie diesen Gurt nach individuellen Wünschen, z. B. mit einem Sondergriff, der aufrechte Handhaltung ermöglicht, oder einer Tasche für den Imbusschlüssel oder Ringen für die Langzügelarbeit.

Einschränkungen: Erwachsene Reiter mit fehlender Rumpfstabilität finden weniger Halt an dem Griff, da dieser sich samt Kummet bei großer Zugeinwirkung nach hinten/oben bewegt. Das Problem in unserem Fall ist, dass unsere Pferde auf die Signale des Reitens mit Halsring trainiert sind und deswegen bei diesem Zug anhalten.
Und: wir haben den Gurt nur im Schritt eingesetzt, so dass wir über die Eigenschaften des Gurtes im Trab oder Galopp nichts sagen können.

Fazit: Dieser Gurt eignet sich hervorragend für weite Bereiche der Hippotherapie, der Frühförderung und für die heilpädagogische Arbeit mit Menschen mit starken körperlichen Beeinträchtigungen.

   

Dieser Gurt ist ein handelsüblicher kleiner „Voltigiergurt“, bei dem wir die festen Griffe entfernt und durch weiche flexible ersetzt haben (Kosten ca. 50 €).
So gibt es drei Griffe und der Klient hat verschiedene Möglichkeiten sich festzuhalten.
Er sitzt weiter vorne als bei dem gleichen Modell mit festen Griffen, da der Oberschenkel keinen Widerstand erfährt.

Fazit: Dieser Gurt wird verwendet bei sicher sitzenden Klienten, bei Bedarf in allen 3 Gangarten.

Hier zeigen Katja und Sibylle den gleichen Gurt mit festen Griffen.
Dieser Gurt gibt Sicherheit und ausreichenden Halt. 

    
   

Nachteil: Durch Sibylles höheres Gewicht und die hier gestellte Unsicherheit wird anschaulich, dass ihr Gewicht zu weit hinten auf dem Pferderücken ruht. Ihr Schwerpunkt ist hinter dem 12. Brustwirbel des Pferdes und damit nicht akzeptabel. Auf Dauer wäre die Tragfähigkeit und damit die Gesundheit des Pferdes beeinträchtigt.

                        Foto folgt

Dr. vet. Sybil Moffat, Chiropraktikerin, zeigt an dem Oldenburger Hengst Rosarion den „Sitzpunkt“, ca. am 12./13. Brustwirbel.  

vgl. Dr. Sybil Moffatt * Waldweg 3 27419 Sittensen-Freetz Land: Germany

Telefon: 0049 4282-591850 Mobil: 0049 171-8234647 Fax: 0049 4282-591852


Fazit: Wir benutzen diesen Gurt bei Kindern und kleineren, leichten Erwachsenen, mit gutem, abpolsterndem Pad darunter. Wir setzen ihn ein bei der Longenarbeit, beim Reiten ohne Sattel und bei anfänglichen Voltigierübungen wie Mühle, Rückwärtssitz etc. ein. Wir beachten dabei besonders die Reaktionen des Pferdes.

Dieser antike Gurt ist nur gebraucht erhältlich, er ist vermutlich der Vorläufer des vorherigen Gurtes. Wir haben ihn aufarbeiten lassen, in dem wir auf beiden Seiten Gurtstrupfen befestigen haben lassen. Er bietet Vorteile, da er durch die festeren gewölbten Haltevorrichtungen eine höhere Griffstabilität als der mit den flexiblen Griffen bietet. Gleichzeitig kann der Klient weit vorne sitzen, ohne dass etwas drückt.


  

Fazit: Dieser Gurt ist in der Schrittarbeit dem vorherigen zu bevorzugen, da der Reiter weiter vorne sitzen kann. Ängstliche Menschen finden mehr Halt als bei dem mit flexiblen Griffen.

Der „Indianergurt“ wurde in den 80iger Jahren von Pfarrer von Dietze, Niedermoos entwickelt. Der Gurt muss erfahrungsgemäß in der Gurtlage abgepolstert werden, z. B. mit einem Schaumstoff oder einer Bandagenunterlage. Dieser Gurt hält kein Pad.
Dieser Gurt ist durch eine kleine Schnalle für eventuelle Hilfszügel ergänzt.
Dieser Gurt ist nach unserem Wissen nicht mehr erhältlich, kann aber von jedem Sattler in leicht verbesserter, stabilerer Art hergestellt.
Wir haben diesen Gurt nur auf Ponies mit wenig Widerrist eingesetzt.

Fazit: Er eignet sich besonders im heilpädagogischen Reiten und in der Erlebnispädagogik beim freien Reiten. Beim Reiten ohne Sattel vermittelt er das Gefühl von Freiheit und bietet Rückhalt.

Aus unserer Erfahrung haben sich Gurte mit beidseitgen Gurtstrupfen bewährt, da sie unabhängig von Bauchumfang individuell auf jedem Pferd passen. Dazu verwenden wir handelsübliche Kurzgurte, die in Längen (z. B: aus Neopren) zwischen 30 bis 80 cm erhältlich sind. Das Umnähen von Gurten mit einseitigen Schnallen (scheuert eher) kostet ca. 30 €.

Als letztes zeigen wir den großen Voltigiergurt mit integriertem Stahlbaum, der unbedingt zum Schutz des Pferderückens dann zum Einsatz kommen muss, wenn Klienten mit einem Gewicht ab 30/50 kg (je nach Pferd), sich stützen (im Sinne aufknien, Fahne, Volti-Übungen), turnen oder sich einseitig bewegen.

Diese Notwendigkeit umfasst gerade auch das heilpädagogisches Voltigieren mit Erwachsenen. Zur Ausrüstung gehören in diesem Fall ein festes, stoßabsorbierendes Voltigierpad und ein Schaumstoffpolster.



Fazit: Dieser Gurt ist nicht für heilpädagogische Reitstunden geeignet. Zum Voltigieren ist er unerlässlich, jedoch kommt er sinnvoll nur auf Voltigierpferd mit dementsprechender Rückenmuskulatur zum Einsatz. Er verlangt von dem Klienten ein gewisses Maß an Beweglichkeit (z. B. bei der Mühle).